Gut zu wissen...

Wenn die Fluchtgeschichte geschlechtsspezifische Probleme oder intime Details enthält, können Asylsuchende darauf bestehen, von einer Person des gleichen Geschlechts angehört zu werden.
Das gilt für den Dolmetscher/die Dolmetscherin. Diesen Wunsch sollten Sie vorher dem BAMF mitteilen.

Weitere Hinweise zu Dolmetscherinnen und Dolmetschern bei der Anhörung hat der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt zusammengestellt. Diese Infoblätter gibt es auch in mehreren Sprachen.

Die Anhörung

Die Anhörung ist der entscheidende Termin des Asylverfahrens. Hier können/müssen die Fluchtgründe dargelegt werden, auf deren Basis die Entscheidung über den Antrag ergeht.

Schon vor der Anhörung können Sie Einiges tun, um zu einem guten Verlauf der Anhörung beizutragen und die Chancen auf eine Anerkennung des Asylantragstellers zu erhöhen:

Wenn Sie die Möglichkeit haben, besuchen Sie mit den Betroffenen vor der Anhörung eine Verfahrensberatung.

Hier können Sie schon im Vorfeld Unsicherheiten klären, Fragen stellen und erhalten hilfreiche Hinweise für das individuelle Verfahren.

Die Adresse einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie im Adressbuch des Flüchtlingsrat RLP e.V..

Die Vorbereitung auf die Anhörung gehört auch zu den Aufgaben der Verfahrensberatung:

Die Fluchtgründe werden aufgeschrieben und mit den Flüchtlingen eine genaue Zeittafel  ihrer Verfolgungsgeschichte erarbeitet, in der alle wichtigen Gründe und Daten für den Asylantrag aufgelistet sind, so dass sie in der Anhörung alles sicher und in der richtigen Reihenfolge berichten können. Diese Darstellung kann auch bei der Anhörung abgegeben werden und so die Grundlage des Gesprächs bilden.

Die Anhörer*innen  des Bundesamts sind länderspezifisch kundig und bewerten auch die Glaubwürdigkeit des Vorgetragenen.

Die Anhörung wird im Beisein eine*r Dolmetscher*in durchgeführt. Die Flüchtlinge sollten sich vergewissern, dass dieser tatsächlich ihre Sprache bzw. ihren Dialekt spricht und dass die Verständigung einwandfrei ist. Sollte es Verständigungsschwierigkeiten geben, sollen diese sofort genannt werden.

Zur Anhörung kann außer einem Anwalt auch eine Person des Vertrauens sowie ein Dolmetscher des Vertrauens mitgenommen werden. Hierüber ist das BAMF vorher zu informieren.

Während der Anhörung wird das Gesagte protokolliert.

Die Asylantragsteller*innen haben das Recht, sich das Protokoll rückübersetzen zu lassen. Es ist in jedem Fall ratsam, trotz der belastenden Situation, auf eine Rückübersetzung zu bestehen.

Dies ist eine gute Gelegenheit eventuelle Missverständnisse oder Widersprüche zu klären und Ergänzungen bzw. Korrekturen vorzunehmen.

Nach der Anhörung, aber vor der Entscheidung, wird den AsylantragstellerInnen das Protokoll der Anhörung zugesandt. Auch dann ist noch Zeit, Sachverhalte klarzustellen oder auch weitere Gesichtspunkte (z.B. Befunde, Atteste) einzureichen. Wir wissen, dass die Menschen viele unterschiedlichste Anliegen an Sie herantragen, aber die Besprechung des Anhörungsprotokolls sollte Priorität haben. Auch in diesen Fällen ist der Kontakt zu einer Verfahrensberatungsstelle dringend zu empfehlen.

Falls  gesundheitliche Probleme bestehen, sollte vor der Anhörung bei einem (Fach-)Arzt ein Attest/Gutachten eingeholt werden. Dieses kann bei schwerwiegenden Erkrankungen die Entscheidung beeinflussen. Falls die Betroffenen Folter erlitten haben oder andere schlimme Erlebnisse hatten, versuchen Sie, möglichst bald professionelle Hilfe hinzuzuziehen. Auch dabei können Ihnen eine Beratungsstelle für Flüchtlinge oder die Sozialarbeiter in der Aufnahmeeinrichtung helfen.

Sehr gute Informationen zur Anhörung stellt asyl.net in verschiedenen Sprachen zur Verfügung: Information zur Anhörung im Asylverfahren