Sechster Zuwanderungs- und Integrationsbericht der Landesregierung

Antonio Baranelli, Referatsleiter für Grundsatzfragen der Integrationspolitik, Integrationsförderung und Integrationsehrenamt im Ministerium für Familien, Frauen, Kultur und Integration RLP hat für uns die Ergebnisse dieser Veröffentlichung zusammengefasst: 

Rheinland-Pfalz ist ein Einwanderungsland, das hat auch der in diesem Jahr erschienene sechste Zuwanderungs- und Integrationsbericht der Landesregierung gezeigt. Der Bericht resümiert das Geschehen im Kontext von Flucht, Zuwanderung und Integration in Rheinland-Pfalz der letzten Jahre.

In diesem Zeitraum war die Einwanderung vor allem durch die Zuwanderung im Kontext von Flucht bestimmt. Aber auch in Folge der Arbeitnehmerfreizügigkeit kamen viele Menschen nach Rheinland-Pfalz. Zuwanderung stellte im Berichtszeitraum somit den wichtigsten Treiber für das Wachstum der Bevölkerung mit Migrationshintergrund und für das Wachstum der Gesamtbevölkerung im Land. Migration leistet somit einen wichtigen Beitrag, die Folgen des demografischen Wandels abzumildern. Zum Jahresende 2019 lebten annähernd 4,1 Mio. Menschen in Rheinland-Pfalz, was einen neuen Höchststand darstellte. Etwas mehr als ein Viertel (26,7%) dieser Menschen konnte einen Migrationshintergrund [1] vorweisen.

In Rheinland-Pfalz leben Menschen aus mehr als 180 Staaten
Die Einwanderung nach Rheinland-Pfalz hat beispielsweise auch dafür gesorgt, dass sich die Größe einzelner Staatsangehörigengruppen im Land gewandelt hat. Seit 2009 und insbesondere seit 2015 nahm die Zahl der Menschen aus Syrien sowie Afghanistan zu. Starke Zuwächse gab es aber auch bei Staatsangehörigen aus den mittel- und osteuropäischen Staaten infolge der Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Auf der anderen Seite ist die absolute Zahl der Staatsangehörigen aus der Türkei zwischen 2009 und 2019 geschrumpft. Allerdings stellen diese Menschen weiterhin die größte Einzelgruppe ausländischer Staatsangehöriger in Rheinland-Pfalz dar, gefolgt von Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit als zweitgrößte Gruppe. Personen aus Syrien folgen knapp dahinter und stellen mittlerweile die drittgrößte Einzelgruppe von Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit. 

Aber auch ungeachtet dieser jüngsten Entwicklungen: Menschen mit Migrationsgeschichte leben seit vielen Jahren – aber auch seit kurzem – gerne und ganz selbstverständlich als Nachbar:innen, als Arbeitskolleg:innen oder als Mitschüler:innen in Rheinland-Pfalz. Auch sind mehr als die Hälfte der Menschen mit Migrationsgeschichte – nämlich 58% –  deutsche Staatsangehörige. Darüber hinaus leben Menschen aus mehr als 180 Staaten mit Hauptwohnsitz in Rheinland-Pfalz.

Familienzusammenführung ist ein wichtiges Zuzugsmotiv
Die überwiegende Mehrheit – rund 39% – der in Rheinland-Pfalz lebenden Zugewanderten gab 2019 die Familienzusammenführung als wichtigstes Motiv für ihre Einreise nach Deutschland an. Das sind fünf Prozent mehr als noch im Jahr 2017. Eine Ursache des Anstiegs könnte der erst mit einiger Verzögerung einsetzende Familiennachzug derjenigen Personen sein, die im Zuge der Fluchtbewegung Schutzsuchender aus Syrien und anderen Krisenregionen der Welt in den Jahren 2015 und 2016 nach Rheinland-Pfalz gekommen sind.

Das Motiv Flucht, Verfolgung, Vertreibung oder Asyl wurde im Jahr 2019 von ca. 15 Prozent der Personen als wichtigster Zuwanderungsgrund angegeben. Etwas häufiger wurden erwerbsbezogene Motive genannt. Etwas mehr als jede beziehungsweise jeder sechste führte eine Arbeit oder Beschäftigung als Zuwanderungsmotiv an. Dabei hatte die Mehrheit der Zugewanderten bereits vor der Einreise eine Stelle gefunden. Sehr viel seltener – weniger als fünf Prozent – wurde im Jahr 2019 ein Studium, eine Aus- oder Weiterbildung sowie der Wunsch nach einer dauerhaften Niederlassung im Rahmen der EU-Freizügigkeit als Hauptmotiv angegeben.

Sowohl im Jahr 2015 als auch im Jahr 2019 zog die größte Gruppe der aus dem Ausland zugewanderten Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit aus einem anderen Land der Europäischen Union nach Rheinland-Pfalz. Ihr Anteil hat sich zwischen 2015 und 2019 stark erhöht; von 44 auf 67,3 Prozent. Ursächlich ist allerdings weniger ein Anstieg der absoluten Zahlen der aus der EU zugewanderten Personen, sondern der Rückgang der Zahl der Schutzsuchenden, die vor allem aus Syrien und weiteren Staaten Asiens zugezogen sind. So sank der Anteil der Ausländer:innen, die aus Asien zugewandert sind, zwischen 2015 und 2019 von 34,8 auf 10,3 Prozent.

2020 wurden 5.415 Asylerstanträge in Rheinland-Pfalz gestellt
Auch ist seit dem Jahr 2016 ein Rückgang der in Rheinland-Pfalz gestellten Asylerstanträge feststellbar. Im Jahr 2016 betrug die Zahl der gestellten Asylerstanträge 36.985. Bereits im Jahr darauf sank sie deutlich auf 12.951 Anträge ab. Der Rückgang hat sich bis zum Jahr 2020 fortgesetzt, wo noch 5.415 Asylerstanträge in Rheinland-Pfalz gestellt wurden. Allerdings gilt es zu beachten, dass so genannte Folgeanträge in diesen Zahlen nicht berücksichtigt sind. Darüber hinaus geben die Zahlen keine Auskunft über die tatsächliche Annahme oder Ablehnung eines Asylantrags.

Bevölkerung mit Migrationsgeschichte im Schnitt jünger als die Bevölkerung ohne Migrationsgeschichte
Die Verteilung der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund nach Altersklassen zeigt, dass Personen mit Migrationshintergrund in den jüngeren Altersklassen sehr viel häufiger anzutreffen sind als in den höheren Altersklassen. Am stärksten sind die Anteilswerte der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in der Gruppe der 5- bis unter 10-Jährigen mit 42,3 Prozent und in der Gruppe der unter 5-Jährigen mit 41,5 Prozent ausgeprägt. Auch in allen Altersgruppen zwischen 10 und 50 Jahren leben in Rheinland-Pfalz überdurchschnittlich viele Personen mit Migrationshintergrund, nachdem der Anteil an der Bevölkerung insgesamt bei 26,7 Prozent liegt. In allen Altersklassen ab 50 Jahren liegt der Anteilswert der Bevölkerung mit Migrationshintergrund unter diesem Wert. Mit zunehmenden Alter sinkt er zudem ab. Den geringsten Anteil gab es im Jahresdurchschnitt 2019 in der Gruppe der 80-Jährigen und Älteren mit 8,5 Prozent und in der Gruppe der 75- bis unter 80-Jährigen mit 9,3 Prozent.

Integrationsfortschritte feststellbar – Herausforderungen bleiben
Der Bericht verdeutlicht, dass in den vergangenen Jahren der Anteil der Schüler:innen mit Migrationshintergrund an den allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz stetig gewachsen ist. Zwischen 2014 und 2019 stieg die Zahl um 43 Prozent. Dem Bericht zu Folge gelang diesen Schüler:innen auch immer häufiger der Übergang in Schulformen, die den Erwerb der Fachhochschul- bzw. der allgemeinen Hochschulreife erlaubten. Im Bereich des Arbeitsmarktes zeigt der Bericht, dass Fortschritte in der Arbeitsmarktintegration sichtbar wurden. So lag beispielsweise im Jahr 2019 die Erwerbstätigenquote der 15- bis 65-Jährigen mit Migrationshintergrund bei 70% und somit um einiges höher als noch im Jahr 2013 (66,6%).

Allerdings fällt dort auch auf, dass Personen mit Migrationshintergrund noch immer in Berufsfeldern überrepräsentiert sind, die eine geringere Qualifizierung erfordern und ein vergleichsweise geringes Lohnniveau haben. Unterrepräsentiert sind sie im Vergleich dazu vor allem in der öffentlichen Verwaltung von Bundes-, Landes- oder Kommunalbehörden. 

Darüber hinaus ist auch zu beachten, dass sämtliche Folgen und Effekte, die mit der Corona-Pandemie insbesondere im Jahr 2020 einhergingen, sich aufgrund der Systematik in der Datenerfassung der zu Grunde liegenden Quellen, nicht in den statistischen Ausführungen des sechsten Zuwanderungs- und Integrationsbericht haben widerspiegeln können. Hierzu muss auf später erscheinende Berichte verwiesen werden.

Fazit
Zusammenfassend zeigt der Bericht, dass Integration und Teilhabe ein langwieriger Prozess ist. Dank des Einsatzes vieler am Integrationsprozess beteiligter Akteur:innen – der staatlichen Ebenen, der Kommunen, der vielen Ehrenamtlichen, der Wohlfahrtsverbände und Hilfsdienste, der Sprachkursträger, der zivilgesellschaftlichen Organisationen oder auch der Wirtschaft – konnte der Integrationsprozess in Rheinland-Pfalz gut vorangebracht werden. Gleichzeitig wird uns das Thema „Integration“ weiterhin begleiten, denn es ist eine Daueraufgabe. Es bleibt weiterhin zentral, integrative Maßnahmen zu initiieren und umzusetzen sowie Angebote zu schaffen, um die Lebenslagen der Menschen nachhaltig zu verbessern.

Link zum Bericht

Der sechste Zuwanderungs- und Integrationsbericht der Landesregierung an dessen Erstellung das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz mitgewirkt hat, ist unter folgendem Link abrufbar: https://mffki.rlp.de/fileadmin/MFFJIV/Integration/6_Zuwanderungs_u_Integrationsbericht_barrierefrei_2016_2020.pdf


[1] Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Im Einzelnen umfasst diese Definition zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-) Aussiedlerinnen und (Spät-) Aussiedler, Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit durch Adoption durch einen deutschen Elternteil erhalten haben, sowie die als Deutsche geborenen Nachkommen dieser Gruppen. (vgl. Statistisches Bundesamt 2020: Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Ergebnisse des Mikrozensus 2019. Fachserie 1, Reihe 2.2, S. 19.)

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